Exklusives Angebot: 1 kg Kratom laborgeprüft für nur 79 €

Wie wirkt Kratom auf Neuronen und das Gehirn?

Dieser Text erklärt, was nach der Einnahme von Kratom im Gehirn geschieht und warum seine wichtigsten Inhaltsstoffe — Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin — Schmerzen, Stimmung, Ruhe, Motivation, Konzentration, Toleranz und Entzugssymptome beeinflussen können.

Ziel ist es nicht, Kratom zu bewerben oder zu dämonisieren, sondern den biologischen Mechanismus verständlich zu erklären. Das Gehirn ist kein einfacher Schalter, bei dem eine Substanz genau eine bestimmte Wirkung auslöst. Es ist ein Netzwerk aus Milliarden Nervenzellen, die über elektrische und chemische Signale miteinander kommunizieren. Kratom greift hauptsächlich über das Opioidrezeptor-System in diese Kommunikation ein, seine Wirkungen sind jedoch nicht darauf beschränkt.

 

Was ist Kratom?

Kratom bezeichnet die Blätter der tropischen Pflanze Mitragyna speciosa. Diese Pflanze stammt hauptsächlich aus Südostasien, beispielsweise aus Regionen Thailands, Indonesiens, Malaysias, Myanmars oder Papua-Neuguineas. In traditionellen Kulturen wurden Kratomblätter auf unterschiedliche Weise verwendet — beispielsweise gekaut, als Tee zubereitet oder getrocknet und zu Pulver gemahlen.

Aus biologischer Sicht ist Kratom interessant, weil es eine große Anzahl chemischer Substanzen enthält, die als Alkaloide bezeichnet werden. Ein Alkaloid ist eine natürliche stickstoffhaltige Verbindung, die eine Pflanze im Rahmen ihres Stoffwechsels bildet. Viele Alkaloide wirken auf das menschliche Nervensystem. Bekannte Beispiele sind Koffein im Kaffee, Nikotin im Tabak oder Morphin im Opium.

In Kratom wurden zahlreiche verschiedene Alkaloide beschrieben. Im Zusammenhang mit den Wirkungen auf das Gehirn werden jedoch vor allem zwei besonders häufig erwähnt:

Die folgende Tabelle vergleicht kurz die beiden am häufigsten genannten Inhaltsstoffe von Kratom: Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin.

Substanz in Kratom Bedeutung für die Wirkung von Kratom
Mitragynin Das wichtigste Alkaloid in Kratom. Es macht gewöhnlich den größten Anteil des Alkaloidgehalts aus und trägt wesentlich zu den Wirkungen von Kratom auf Schmerzen, Stimmung, Ruhe und Konzentration bei.
7-Hydroxymitragynin Ein Alkaloid, das in geringerer Menge vorkommt. An bestimmten Opioidrezeptoren kann es deutlich stärker wirken als Mitragynin und spielt daher eine wichtige Rolle bei der Erklärung der Intensität bestimmter Kratom-Wirkungen.

Die Wirkung von Kratom ist nicht bei allen Menschen gleich. Sie hängt von mehreren Faktoren ab:

  • der Dosis — niedrigere und höhere Mengen können unterschiedlich wirken,
  • der Zusammensetzung des jeweiligen Produkts — verschiedene Chargen und Produkte können unterschiedliche Alkaloidgehalte aufweisen,
  • der individuellen Empfindlichkeit — Genetik, Körpergewicht, Stoffwechsel, psychischer Zustand und frühere Erfahrungen spielen eine Rolle,
  • der Häufigkeit der Anwendung — eine einmalige Anwendung wirkt anders als eine regelmäßige tägliche Anwendung,
  • Kombinationen mit anderen Substanzen — Alkohol, Benzodiazepine, Opioide, Sedativa oder andere dämpfende Substanzen können die Risiken deutlich erhöhen.

Einfach gesagt: Kratom ist keine einzelne reine Substanz. Es handelt sich um Pflanzenmaterial mit variabler Zusammensetzung, dessen Wirkung durch die Kombination mehrerer Stoffe entsteht. Die größte Aufmerksamkeit gilt dabei Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin.

 


Mitragyna speciosa, bekannt als Kratom, enthält die Alkaloide Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin, die mit den Wirkungen von Kratom auf das Nervensystem und die Rezeptoren im Gehirn in Verbindung gebracht werden.

 

Was sind Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin?

Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin sind natürliche Alkaloide, die in Kratom vorkommen. Um ihre Wirkung zu verstehen, ist es sinnvoll, zunächst zu erklären, was der Begriff Alkaloid bedeutet.

Ein Alkaloid ist eine chemische Substanz pflanzlichen Ursprungs, die häufig das Nervensystem beeinflusst. Pflanzen produzieren diese Stoffe nicht, um auf Menschen zu wirken, sondern beispielsweise als Schutz vor Insekten, Pilzen oder Pflanzenfressern. Das menschliche Nervensystem kann jedoch auf bestimmte Alkaloide sehr stark reagieren, da diese an Rezeptoren im Gehirn binden können.

Mitragynin ist das wichtigste Alkaloid in Kratom. Das bedeutet, dass es in gewöhnlichem Blattmaterial üblicherweise in höheren Mengen vorkommt als andere aktive Alkaloide. Es gilt als einer der Hauptbestandteile, die für die typischen Wirkungen von Kratom verantwortlich sind.

7-Hydroxymitragynin kommt im natürlichen Kratomblatt normalerweise in geringeren Mengen vor. Dennoch kann es pharmakologisch sehr bedeutend sein, da es eine stärkere Affinität zu bestimmten Opioidrezeptoren besitzt, insbesondere zum μ-Opioidrezeptor, den wir später ausführlicher erklären.

Es ist wichtig, zwei Dinge voneinander zu unterscheiden:

  1. Eine Substanz bindet an Opioidrezeptoren.
  2. Eine Substanz ist ein klassisches Opioid wie Morphin.

Das ist nicht dasselbe.

Wenn wir sagen, dass Mitragynin oder 7-Hydroxymitragynin auf Opioidrezeptoren wirken, bedeutet dies, dass sie an bestimmte Rezeptoren im Nervensystem binden können, die an der Wahrnehmung von Schmerz, Belohnung, Stress und Stimmung beteiligt sind. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie in jeder Hinsicht genauso wirken wie Morphin, Heroin oder Oxycodon.

Man kann sich einen Rezeptor wie ein Schloss vorstellen. Morphin ist eine bestimmte Art von Schlüssel. Mitragynin ist ein anderer Schlüssel. Beide können mit demselben Schloss interagieren, müssen es aber nicht auf dieselbe Weise, mit derselben Stärke oder mit denselben Folgen öffnen.

Mitragynin wird häufig als Substanz mit atypischer opioider Wirkung beschrieben. Das bedeutet, dass sich einige seiner Wirkungen mit dem Opioidsystem überschneiden, sein Gesamtprofil jedoch komplexer ist. Neben Opioidrezeptoren kann es auch andere Systeme beeinflussen, beispielsweise adrenerge oder serotonerge Signalwege. Das adrenerge System steht unter anderem mit Wachheit, Stress und körperlicher Aktivierung in Zusammenhang. Das Serotoninsystem ist unter anderem an Stimmung, Schlaf, Angst und Schmerzwahrnehmung beteiligt.

7-Hydroxymitragynin ist im Hinblick auf Opioidrezeptoren deutlich stärker wirksam. Deshalb ist es wichtig, gewöhnliches natürliches Kratom-Blattmaterial von Produkten zu unterscheiden, die konzentriert, angereichert oder so verarbeitet wurden, dass sie einen höheren Anteil an 7-Hydroxymitragynin enthalten. Bei solchen Produkten kann das Risiko opioidähnlicher Wirkungen, Toleranz und Abhängigkeit höher sein.

 

Was ist ein Neuron?

Um die Wirkung von Kratom im Gehirn zu verstehen, müssen wir zunächst die grundlegende Einheit des Nervensystems verstehen: das Neuron.

Ein Neuron ist eine Nervenzelle. Es handelt sich um eine spezialisierte Zelle, die Informationen aufnehmen, verarbeiten und weiterleiten kann. Gehirn, Rückenmark und Nerven bestehen aus riesigen Netzwerken von Neuronen. Diese Netzwerke ermöglichen Wahrnehmung, Bewegung, Denken, Gedächtnis, Emotionen, Schmerz, Schlaf und Entscheidungsfindung.

Ein Neuron kann man sich als elektrochemisches Kommunikationskabel vorstellen. Elektrisch deshalb, weil sich das Signal innerhalb des Neurons in Form einer elektrischen Veränderung ausbreitet. Chemisch deshalb, weil Signale zwischen Neuronen häufig mithilfe chemischer Stoffe übertragen werden.

Ein Neuron besitzt mehrere wichtige Bestandteile:

Die folgende Tabelle erklärt übersichtlich die grundlegenden Bestandteile eines Neurons, ihre einfache Bedeutung und ihre Funktion bei der Übertragung von Nervensignalen im Gehirn.

Teil des Neurons Einfache Erklärung Funktion im Nervensystem
Dendriten Verzweigte Fortsätze des Neurons, die an Äste eines Baumes erinnern. Sie empfangen Nervensignale von anderen Neuronen und leiten sie zum Zellkörper weiter.
Zellkörper Der Hauptteil des Neurons, in dem sich der Zellkern befindet. Verarbeitet eingehende Signale, steuert grundlegende Funktionen des Neurons und hält die Zelle am Leben.
Zellkern Das Steuerzentrum der Zelle, das die genetische Information enthält. Enthält die DNA und steuert die Bildung von Zellproteinen, die für die Funktion des Neurons notwendig sind.
Axon Ein langer Fortsatz des Neurons, der einem Kabel ähnelt. Leitet das elektrische Nervensignal vom Zellkörper zu anderen Zellen.
Myelinscheide Eine isolierende Schicht um das Axon. Beschleunigt die Weiterleitung von Nervensignalen und unterstützt eine effiziente Kommunikation zwischen Neuronen.
Axonterminal Der Endbereich des Axons, an dem das Neuron Informationen weitergibt. Setzt Neurotransmitter frei, also chemische Substanzen, die ein weiteres Neuron beeinflussen können.
Synapse Kontaktstelle zwischen zwei Neuronen oder zwischen einem Neuron und einer anderen Zelle. Ermöglicht die Übertragung von Informationen von einem Neuron auf ein anderes mithilfe chemischer Signale.
Rezeptoren Proteinbasierte „Empfänger“ für Signale auf der Oberfläche oder im Inneren einer Zelle. Erkennen Neurotransmitter und andere chemische Stoffe und lösen dadurch eine Reaktion des Neurons aus.

Vereinfacht funktioniert ein Neuron folgendermaßen:

  1. Es empfängt Signale über die Dendriten.
  2. Der Zellkörper bewertet diese Signale.
  3. Ist das Signal stark genug, entsteht ein elektrischer Impuls.
  4. Dieser Impuls bewegt sich entlang des Axons.
  5. Am Ende des Axons werden chemische Substanzen freigesetzt.
  6. Diese chemischen Stoffe beeinflussen das nächste Neuron.

Beispiel: Wenn Sie etwas Heißes berühren, registrieren Nervenzellen in der Haut den schmerzhaften Reiz. Das Signal gelangt über die Nerven zum Rückenmark und zum Gehirn. Das Gehirn bewertet es als Schmerz und sendet gleichzeitig ein Signal, damit Sie Ihre Hand schnell zurückziehen.

Kratom greift nicht in diese Kommunikation ein, indem es das „Gehirn ausschaltet“. Vielmehr verändert es die Wahrscheinlichkeit, Stärke und Art und Weise, wie bestimmte Neuronen Signale weiterleiten. Dadurch können sich beispielsweise Schmerz, Ruhe, Stress oder Motivation verändern.

 


Die vereinfachte Darstellung eines Neurons zeigt die wichtigsten Bestandteile einer Nervenzelle – Dendriten, Zellkörper, Axon, Myelinscheide und Synapse, an der die Kommunikation mithilfe von Neurotransmittern und Rezeptoren stattfindet.

 

Wie kommunizieren Neuronen miteinander?

Neuronen kommunizieren miteinander durch eine Kombination aus elektrischen und chemischen Signalen.

Innerhalb eines Neurons wird Information häufig als elektrischer Impuls weitergeleitet. Dieser Impuls wird als Aktionspotenzial bezeichnet. Ein Aktionspotenzial ist eine kurze elektrische Veränderung an der Membran eines Neurons. Die Membran ist die dünne Zellgrenze, die das Zellinnere von seiner Umgebung trennt.

Man kann sich das Axon wie ein langes Kabel vorstellen. Das Aktionspotenzial ist eine elektrische Welle, die entlang dieses Kabels läuft. Dabei handelt es sich allerdings nicht um dieselbe Art von Elektrizität wie aus einer Steckdose. Das elektrische Signal im Neuron entsteht durch die Bewegung geladener Teilchen, insbesondere Natrium-, Kalium-, Calcium- und Chloridionen.

Wenn das elektrische Signal das Ende des Axons erreicht, gelangt es in den Bereich des Axonterminals. Dort leitet das Neuron nicht direkt elektrischen Strom an das nächste Neuron weiter. Stattdessen setzt es in der Regel chemische Substanzen frei, die als Neurotransmitter bezeichnet werden.

Ein Neurotransmitter ist ein chemischer Botenstoff des Nervensystems. Es handelt sich um eine Substanz, die ein Neuron freisetzt, um einer anderen Zelle eine Nachricht zu übermitteln. Zu bekannten Neurotransmittern gehören beispielsweise:

Die folgende Tabelle erklärt kurz die wichtigsten Neurotransmitter im Gehirn und ihre vereinfachte Rolle bei der Regulation von Stimmung, Motivation, Schlaf, Schmerz, Aufmerksamkeit und neuronaler Aktivität.

Neurotransmitter Vereinfachte Rolle im Gehirn
Dopamin Ist an Motivation, Belohnung, Lernen, Bewegung und der Erwartung eines angenehmen Ergebnisses beteiligt.
Serotonin Steht mit Stimmung, Schlaf, Angst, Appetit und Schmerzwahrnehmung in Zusammenhang.
Noradrenalin Hilft bei der Steuerung von Wachheit, Stressreaktion, Aufmerksamkeit und allgemeiner Aktivierung des Organismus.
GABA Der wichtigste hemmende Neurotransmitter, der die neuronale Aktivität reduziert und die Beruhigung unterstützt.
Glutamat Der wichtigste erregende Neurotransmitter, der die Aktivierung von Neuronen, Lernen und Gedächtnis unterstützt.
Endorphine Körpereigene Substanzen, die mit Schmerzlinderung, einem Gefühl der Erleichterung und angenehmen Empfindungen verbunden sind.

Zwischen zwei Neuronen befindet sich ein kleiner Zwischenraum. Dieser wird als synaptischer Spalt bezeichnet. Die gesamte Kontaktstelle, an der ein Neuron mit einem anderen kommuniziert, wird Synapse genannt.

Der Kommunikationsprozess an der Synapse funktioniert vereinfacht folgendermaßen:

  1. Das elektrische Signal erreicht das Ende des ersten Neurons.
  2. Das erste Neuron setzt Neurotransmitter frei.
  3. Die Neurotransmitter überqueren den synaptischen Spalt.
  4. Sie binden an Rezeptoren des zweiten Neurons.
  5. Das zweite Neuron verändert seine Aktivität.

Einen Rezeptor kann man sich wie ein Schloss und einen Neurotransmitter wie einen Schlüssel vorstellen. Wenn der passende Schlüssel in das passende Schloss passt, erhält die Zelle eine Nachricht wie: „Aktiviere dich“, „Dämpfe deine Aktivität“, „Setze eine weitere Substanz frei“, „Höre auf, etwas freizusetzen“ oder „Verändere deine Empfindlichkeit“.

Wichtig ist, dass neuronale Kommunikation kein einfaches „Ein/Aus“-System ist. Vielmehr handelt es sich um eine kontinuierliche Anpassung von Wahrscheinlichkeiten. Manche Signale aktivieren ein Neuron, andere hemmen es. Das Gehirn arbeitet als riesiges Netzwerk sich gegenseitig ausgleichender Signale.

Kratom kann in dieses Netzwerk eingreifen, indem seine Alkaloide bestimmte natürliche chemische Signale nachahmen oder deren Wirkung verändern, insbesondere im Opioidsystem.

 


Das Schema einer Synapse zeigt, wie das präsynaptische Neuron Neurotransmitter in den synaptischen Spalt freisetzt, wo diese an Rezeptoren des postsynaptischen Neurons binden und das Nervensignal weiterleiten.

 

Was sind Rezeptoren?

Rezeptoren sind Proteinstrukturen auf der Oberfläche oder im Inneren von Zellen. Ein Protein ist ein großes Molekül, das im Körper eine bestimmte Funktion erfüllt. Ein Rezeptor funktioniert als Empfänger eines chemischen Signals.

Wenn eine passende Substanz an einen Rezeptor bindet, verändert dieser seine Form oder Aktivität und übermittelt der Zelle eine Information. Dadurch kann eine ganze Reihe von Vorgängen innerhalb der Zelle ausgelöst werden.

Eine einfache Analogie:

  • Rezeptor = Schloss,
  • Substanz, die daran bindet = Schlüssel,
  • Zelle = Raum hinter der Tür,
  • Zellreaktion = das, was nach dem Öffnen oder Blockieren der Tür geschieht.

Verschiedene Rezeptoren besitzen unterschiedliche Funktionen. Manche erhöhen die Aktivität eines Neurons, andere verringern sie. Manche beeinflussen Schmerzen, andere Schlaf, Stimmung, Bewegung, Gedächtnis oder Hormone.

Im Zusammenhang mit Rezeptoren werden häufig die Begriffe Agonist, Antagonist und partieller Agonist verwendet.

Agonist

Ein Agonist ist eine Substanz, die an einen Rezeptor bindet und ihn aktiviert. Das ist vergleichbar mit einem Schlüssel, der in ein Schloss passt und die Tür öffnet.

Beispiel: Ein körpereigenes Endorphin kann an einen Opioidrezeptor binden und ihn aktivieren. Dadurch kann die Wahrnehmung von Schmerzen reduziert und ein Gefühl der Erleichterung hervorgerufen werden.

Antagonist

Ein Antagonist ist eine Substanz, die an einen Rezeptor bindet, ihn jedoch nicht aktiviert. Gleichzeitig verhindert sie, dass andere Stoffe den Rezeptor aktivieren. Das ist wie ein Schlüssel, der das Schloss blockiert, die Tür aber nicht öffnet.

Beispiel: Bestimmte Medikamente können Opioidrezeptoren blockieren, sodass Opioide dort nicht mehr vollständig wirken können.

Partieller Agonist

Ein partieller Agonist ist eine Substanz, die einen Rezeptor nur teilweise aktiviert. Das ist wie ein Schlüssel, der die Tür nicht vollständig, sondern nur halb öffnet.

Dies ist besonders wichtig für das Verständnis von Kratom. Mitragynin wird häufig als Substanz beschrieben, die an bestimmten Opioidrezeptoren nicht wie ein vollständiger Agonist wirkt, sondern eher als partieller Agonist oder als Substanz mit je nach Kontext unterschiedlicher Wirkung.

Die folgende Tabelle erklärt einfach den Unterschied zwischen einem Agonisten, einem partiellen Agonisten und einem Antagonisten anhand ihrer Wirkung auf Rezeptoren im Nervensystem.

Art der Substanz Was sie mit dem Rezeptor macht Einfache Analogie
Agonist Bindet an den Rezeptor und aktiviert ihn vollständig. Der Schlüssel öffnet die Tür vollständig.
Partieller Agonist Bindet an den Rezeptor, aktiviert ihn jedoch nur teilweise. Der Schlüssel öffnet die Tür nur teilweise.
Antagonist Bindet an den Rezeptor, aktiviert ihn aber nicht; stattdessen blockiert er die Wirkung anderer Substanzen. Der Schlüssel blockiert das Schloss, öffnet die Tür aber nicht.

In der tatsächlichen Biologie ist die Situation komplexer, da ein Rezeptor nicht einfach nur ein Schloss und eine Substanz nicht nur ein Schlüssel ist. Ein einzelner Rezeptor kann mehrere intrazelluläre Signalwege aktivieren. Manche Substanzen können einen Signalweg stärker und einen anderen schwächer aktivieren. Dies wird als funktionelle Selektivität oder Biased Agonism bezeichnet. Darauf gehen wir im Abschnitt über Mitragynin genauer ein.

 

Was ist ein Opioidrezeptor?

Opioidrezeptoren sind Rezeptoren im Nervensystem, die vor allem an der Regulation von Schmerz, Stress, Stimmung, Belohnung und körperlichem Wohlbefinden beteiligt sind.

Der Begriff „Opioid“ bedeutet nicht, dass diese Rezeptoren nur wegen Drogen oder Medikamenten existieren. Der Körper besitzt ein eigenes natürliches Opioidsystem. Dieses System nutzt Substanzen, die der Körper selbst produziert, beispielsweise Endorphine.

Endorphine sind körpereigene chemische Substanzen, die an Opioidrezeptoren binden. Sie werden beispielsweise bei Schmerzen, Stress, körperlicher Anstrengung, Lachen oder nach intensiver Belastung freigesetzt. Sie helfen dabei, Schmerzen zu reduzieren und ein Gefühl der Erleichterung zu erzeugen.

Opioidrezeptoren sind Teil eines natürlichen Systems, das unter anderem folgende Fragen beeinflusst:

  • Wie stark nehmen wir Schmerzen wahr?
  • Wie intensiv empfinden wir Erleichterung?
  • Wie bewertet das Gehirn Belohnungen?
  • Wie beruhigt sich der Körper nach Stress?
  • Wie wird das emotionale Gleichgewicht reguliert?

Es gibt mehrere Arten von Opioidrezeptoren. Am häufigsten werden drei Haupttypen genannt:

Die folgende Tabelle erklärt übersichtlich die grundlegenden Arten von Opioidrezeptoren im Gehirn und Nervensystem: den μ-Opioidrezeptor, den δ-Opioidrezeptor und den κ-Opioidrezeptor.

Typ des Opioidrezeptors Bezeichnung Vereinfachte Rolle im Körper und Gehirn
μ-Opioidrezeptor Mu-Rezeptor Steht mit Schmerzlinderung, einem Gefühl der Erleichterung, Euphorie, Belohnung und dem Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung in Zusammenhang. Bei klassischen Opioiden wird er außerdem mit dem Risiko einer Atemdepression in Verbindung gebracht.
δ-Opioidrezeptor Delta-Rezeptor Ist an der Regulation von Stimmung, Schmerzwahrnehmung, emotionaler Regulation und bestimmten Aspekten der Neuroplastizität beteiligt.
κ-Opioidrezeptor Kappa-Rezeptor Steht mit Stress, Dysphorie, Schmerzwahrnehmung, unangenehmen emotionalen Zuständen und der Regulation des Belohnungssystems in Zusammenhang.

Für Kratom ist insbesondere der μ-Opioidrezeptor von Bedeutung, der häufig als MOR bezeichnet wird, abgeleitet vom englischen Begriff „mu opioid receptor“.

Warum ist der μ-Opioidrezeptor so wichtig?

Der μ-Opioidrezeptor ist wichtig, weil seine Aktivierung:

  • Schmerzen lindern kann,
  • ein Gefühl der Erleichterung hervorrufen kann,
  • die Stimmung verändern kann,
  • das Belohnungssystem beeinflussen kann,
  • indirekt die Dopaminsignalübertragung in bestimmten Gehirnkreisläufen erhöhen kann,
  • bei wiederholter Aktivierung zur Entwicklung von Toleranz und Abhängigkeit beitragen kann.

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der mit Motivation, Lernen, Belohnungserwartung und zielgerichtetem Verhalten in Zusammenhang steht. Es ist nicht einfach ein „Glückshormon“. Präziser ist es zu sagen, dass Dopamin dem Gehirn dabei hilft zu bewerten, was wichtig ist, welches Verhalten sich zu wiederholen lohnt und worauf Energie gerichtet werden sollte.

Wenn eine Substanz den μ-Opioidrezeptor beeinflusst, kann sie dadurch indirekt auch Dopamin-Netzwerke verändern. Deshalb können bestimmte Substanzen, die auf das Opioidsystem wirken, angenehme Gefühle, Motivation, Erleichterung oder den Wunsch auslösen, die Substanz erneut zu verwenden.

 


Das Schema zeigt die wichtigsten Typen von Opioidrezeptoren in der neuronalen Membran – μ, δ und κ – und verdeutlicht den Unterschied zwischen dem natürlichen Liganden Endorphin und Mitragynin, einer in Kratom enthaltenen Substanz.

 

Wie wirkt Mitragynin auf Neuronen?

Mitragynin ist das wichtigste Alkaloid von Kratom. Im Gehirn und Nervensystem kann es mit mehreren Arten von Rezeptoren interagieren. Für die wesentlichen Wirkungen von Kratom ist jedoch insbesondere seine Beziehung zu den Opioidrezeptoren und vor allem zum μ-Opioidrezeptor von Bedeutung.

Mitragynin wird häufig als partieller Agonist oder als funktionell selektiver Ligand an Opioidrezeptoren beschrieben.

Das klingt kompliziert, deshalb erklären wir es Schritt für Schritt.

Was bedeutet es, dass Mitragynin ein partieller Agonist ist?

Ein partieller Agonist ist eine Substanz, die einen Rezeptor aktiviert, jedoch nicht vollständig. Beim μ-Opioidrezeptor bedeutet dies, dass Mitragynin den Rezeptor nur teilweise aktivieren kann und nicht in demselben Umfang wie ein starker vollständiger Agonist.

Ein Vergleich:

  • vollständiger Agonist = dreht den Lautstärkeregler auf das Maximum,
  • partieller Agonist = dreht den Regler nur auf einen Teil der maximalen Leistung,
  • Antagonist = blockiert den Regler und verhindert, dass er gedreht wird.

Dies kann erklären, warum die Wirkungen von Mitragynin teilweise opioidähnlich sind, aber nicht mit den Wirkungen klassischer starker Opioide identisch sind.

Was bedeutet funktionelle Selektivität beziehungsweise Biased Agonism?

Funktionelle Selektivität bedeutet, dass eine Substanz einen Rezeptor auf eine bestimmte Weise aktivieren kann, andere Signalwege desselben Rezeptors jedoch weniger stark aktiviert.

Ein Rezeptor ist kein einfacher Knopf mit nur einer einzigen Funktion. Er ähnelt eher einem Bedienfeld, das mehrere verschiedene Signalwege innerhalb der Zelle auslösen kann. Manche Substanzen können einen dieser Wege bevorzugen und einen anderen deutlich schwächer aktivieren.

Bei Opioidrezeptoren werden insbesondere zwei Arten von Signalwegen diskutiert:

  1. G-Protein-Signalübertragung — einer der wichtigsten Signalwege, über den Opioidrezeptoren die Aktivität eines Neurons beeinflussen.
  2. β-Arrestin-Signalübertragung — ein anderer Signalweg, der unter anderem an der Regulation des Rezeptors, seiner Abschaltung, internen Verarbeitung und bei bestimmten Substanzen möglicherweise auch an unerwünschten Wirkungen beteiligt ist.

Sehr vereinfacht ausgedrückt können Mitragynin und verwandte Substanzen bestimmte Signalwege über den Opioidrezeptor anders aktivieren als klassische Opioide. Deshalb werden sie manchmal als „atypisch“ opioid wirkende Substanzen bezeichnet.

Wichtig ist jedoch: „atypisch“ bedeutet nicht „risikofrei“. Auch eine Substanz mit einem anderen Wirkmechanismus kann zu Toleranz, Abhängigkeit und Entzugssymptomen führen, wenn sie wiederholt in Systeme eingreift, die Schmerz, Belohnung und Stress regulieren.

Wie verändert die Aktivierung eines Opioidrezeptors ein Neuron?

Wenn Mitragynin an einen μ-Opioidrezeptor bindet, verändert der Rezeptor seine Aktivität und löst ein Signal innerhalb des Neurons aus. Mögliche Folgen sind beispielsweise:

  • eine Verringerung der Freisetzung bestimmter Neurotransmitter,
  • eine Verringerung der Übertragung von Schmerzsignalen,
  • eine Veränderung der Empfindlichkeit von Neuronen gegenüber Stress,
  • eine Veränderung der Stimmung und des Gefühls der Erleichterung,
  • eine indirekte Beeinflussung des Dopaminsystems.

Bei vielen Opioidrezeptoren hat ihre Aktivierung eine hemmende Wirkung auf die Signalübertragung. Das bedeutet nicht, dass das gesamte Gehirn gedämpft wird. Es bedeutet vielmehr, dass in bestimmten Signalwegen die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass ein Neuron weitere chemische Signale freisetzt.

Beispiel: Wird die Freisetzung von Neurotransmittern in einem Signalweg reduziert, der Schmerz überträgt, kann eine Person den Schmerz weniger intensiv wahrnehmen. Der schmerzhafte Reiz kann weiterhin vorhanden sein, das Gehirn verarbeitet ihn jedoch anders.

Schritt für Schritt: der Weg von Mitragynin ins Gehirn

  • Mitragynin gelangt in den Körper.
    Dies geschieht beispielsweise nach der Einnahme von Kratom-Pulver, Kapseln, Tee oder Extrakten. Die Substanzen gelangen in das Verdauungssystem.
  • Es wird in das Blut aufgenommen.
    Über die Schleimhaut des Verdauungstrakts gelangt ein Teil des Mitragynins in den Blutkreislauf. Das Blut funktioniert dabei wie das Transportsystem des Körpers.
  • Es gelangt zum Gehirn.
    Das Blut transportiert die Substanz zu den Blutgefäßen des Gehirns.
  • Es überwindet die Blut-Hirn-Schranke.
    Die Blut-Hirn-Schranke ist eine Schutzbarriere zwischen Blut und Gehirn. Sie funktioniert wie eine sehr strenge Kontrollstelle und lässt nicht alles aus dem Blut in das Gehirn gelangen. Bestimmte Substanzen können sie jedoch passieren. Mitragynin ist ausreichend lipophil, also fettlöslich, um in das zentrale Nervensystem zu gelangen.
  • Es bindet an Rezeptoren auf Neuronen.
    Im Gehirn kann es an bestimmte Rezeptoren binden, hauptsächlich an Opioidrezeptoren, aber auch an andere Rezeptorsysteme.
  • Es verändert die Aktivität der Neuronen.
    Nach der Bindung der Substanz löst der Rezeptor Signalprozesse in der Zelle aus. Diese können die Freisetzung von Neurotransmittern oder die Empfindlichkeit des Neurons verändern.
  • Das Ergebnis ist eine Veränderung des subjektiven Erlebens.
    Eine Person kann subjektiv weniger Schmerzen, mehr Ruhe, eine bessere Stimmung, mehr Motivation oder Konzentration beziehungsweise umgekehrt eine stärkere Dämpfung wahrnehmen.

Wichtig ist zu verstehen, dass der subjektive Effekt kein direktes „Gefühl des Rezeptors“ ist. Ein Mensch spürt keinen Rezeptor. Er spürt das Ergebnis veränderter Aktivität ganzer neuronaler Netzwerke.

 


Die Infografik zeigt den vereinfachten Weg von Mitragynin aus Kratom im Körper – von der Einnahme über die Aufnahme ins Blut und den Übergang ins Gehirn bis zur Interaktion mit Opioidrezeptoren und der Veränderung der Neurotransmitterfreisetzung.

 

Wie wirkt 7-Hydroxymitragynin auf Neuronen?

7-Hydroxymitragynin ist ein mit Mitragynin verwandtes Alkaloid. In natürlichen Kratomblättern kommt es üblicherweise in geringeren Mengen vor, kann an μ-Opioidrezeptoren jedoch deutlich wirksamer sein.

Das bedeutet, dass bereits eine kleine Menge einen bedeutenden pharmakologischen Effekt haben kann. Ein pharmakologischer Effekt ist eine messbare Wirkung einer Substanz auf den Organismus — beispielsweise eine Veränderung der Rezeptoraktivität, der Schmerzübertragung oder des Verhaltens.

7-Hydroxymitragynin kann stärker beitragen zu:

  • analgetischen, also schmerzlindernden Wirkungen,
  • einem Gefühl der Erleichterung,
  • opioidähnlichen Wirkungen,
  • dem Risiko einer Toleranzentwicklung,
  • dem Risiko körperlicher Abhängigkeit,
  • Entzugssymptomen nach dem Absetzen.

Analgetisch bedeutet schmerzlindernd. Ein Analgetikum ist eine Substanz, die die Wahrnehmung von Schmerzen reduziert.

Das Problem bei 7-Hydroxymitragynin besteht darin, dass eine stärkere Aktivität an Opioidrezeptoren auch einen stärkeren biologischen Anpassungsdruck auf das Gehirn bedeuten kann. Mit anderen Worten: Wird das Rezeptorsystem wiederholt stark aktiviert, beginnt sich das Gehirn daran anzupassen. Diese Anpassung bildet die Grundlage für Toleranz und körperliche Abhängigkeit.

Praktisch ausgedrückt ist Mitragynin der Hauptbestandteil gewöhnlicher Kratomblätter, während 7-Hydroxymitragynin zwar in geringerer Menge vorkommen kann, dafür aber stärker an Opioidrezeptoren wirkt. Deshalb besteht ein erheblicher Unterschied zwischen gewöhnlichem Pflanzenpulver und konzentrierten Produkten, Extrakten oder Produkten, die mit 7-Hydroxymitragynin angereichert wurden.

 

Wie beeinflusst Kratom Schmerzen?

Um zu verstehen, warum Kratom subjektiv Schmerzen reduzieren kann, müssen wir zunächst erklären, wie Schmerzsignale durch das Nervensystem gelangen.

Schmerz beginnt häufig in der Peripherie des Körpers — beispielsweise in der Haut, in Muskeln, Gelenken oder inneren Organen. Dort befinden sich Nervenendigungen, die Schäden oder mögliche Gefährdungen des Gewebes registrieren können. Diese Nervenendigungen werden als Nozizeptoren bezeichnet.

Ein Nozizeptor ist ein Rezeptor beziehungsweise eine Nervenendigung, die potenziell schädliche Reize registriert, beispielsweise Hitze, Druck, Verletzungen oder entzündliche chemische Substanzen.

Vereinfacht verläuft der Schmerzweg folgendermaßen:

  1. Im Körper entsteht ein schmerzhafter Reiz.
  2. Nozizeptoren registrieren ihn.
  3. Das Signal gelangt über einen peripheren Nerv zum Rückenmark.
  4. Im Rückenmark wird das Signal auf weitere Neuronen übertragen.
  5. Das Signal gelangt weiter zum Gehirn.
  6. Das Gehirn interpretiert es als Schmerz.

Schmerz ist somit nicht nur ein Signal aus dem Körper. Schmerz ist das Ergebnis der Verarbeitung eines Signals durch das Gehirn. Deshalb kann derselbe Reiz abhängig von Stress, Müdigkeit, Aufmerksamkeit, Emotionen oder früheren Erfahrungen unterschiedlich schmerzhaft wahrgenommen werden.

Das Opioidrezeptor-System kann die Schmerzübertragung auf mehreren Ebenen reduzieren:

  • im Rückenmark,
  • im Hirnstamm,
  • in emotionalen Zentren,
  • in Bereichen, die die Bedeutung von Schmerz bewerten.

Wenn μ-Opioidrezeptoren aktiviert werden, kann die Freisetzung von Neurotransmittern, die Schmerzsignale übertragen, reduziert werden. Gleichzeitig kann sich verändern, wie das Gehirn den Schmerz emotional bewertet. Eine Person empfindet dann möglicherweise nicht nur „weniger Schmerz“, sondern auch „weniger Leiden durch den Schmerz“.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Schmerz besitzt zwei Komponenten:

Die folgende Tabelle erklärt einfach die beiden Hauptkomponenten von Schmerz: die sensorische Komponente, die die Eigenschaften des Schmerzes beschreibt, und die emotionale Komponente, die bestimmt, wie unangenehm eine Person den Schmerz erlebt.

Komponente des Schmerzes Bedeutung für die Schmerzwahrnehmung
Sensorische Komponente Beschreibt, wo der Schmerz auftritt, wie stark er ist und ob er beispielsweise brennt, sticht, drückt oder einen anderen Charakter besitzt.
Emotionale Komponente Beschreibt, wie unangenehm, belastend, erschöpfend und emotional beanspruchend der Schmerz erlebt wird.

Kratom kann über das Opioidrezeptor-System beide Komponenten beeinflussen. Es kann somit nicht nur die Intensität des Schmerzes verändern, sondern auch seine emotionale Dringlichkeit.

Wichtig ist jedoch zu betonen: Kratom beseitigt in der Regel nicht die Ursache des Schmerzes. Wenn beispielsweise ein Knie aufgrund einer Entzündung, Verletzung oder Überlastung schmerzt, kann Kratom die Wahrnehmung des Schmerzes verändern. Das bedeutet jedoch nicht, dass das beschädigte Gewebe repariert wurde. Dies kann problematisch sein, da eine Person den Schmerz möglicherweise weniger wahrnimmt und die betroffene Stelle weiter überlastet.

 


Die Infografik zeigt den normalen Weg eines Schmerzsignals vom Körper über einen peripheren Nerv und das Rückenmark zum Gehirn und erklärt, wie die Aktivierung von Opioidrezeptoren die Übertragung des Schmerzsignals durch eine Verringerung der Neurotransmitterfreisetzung dämpfen kann.

 

Wie beeinflusst Kratom Stimmung, Ruhe und Stress?

Das Opioidsystem steht nicht nur mit Schmerzen in Zusammenhang. Es ist auch Teil eines Systems, das das Gefühl von Sicherheit, Erleichterung, sozialem Wohlbefinden, Stress und Belohnung reguliert.

Wenn der Körper Endorphine freisetzt, muss dies nicht ausschließlich mit Schmerzen zusammenhängen. Das Endorphinsystem kann auch bei körperlicher Anstrengung, Lachen, sozialen Kontakten oder nach der Bewältigung von Stress aktiviert werden. Deshalb kann das Opioidsystem teilweise als System der „Erleichterung“ verstanden werden.

Kratom kann dieses System von außen beeinflussen. Wenn Mitragynin oder 7-Hydroxymitragynin an Opioidrezeptoren binden, können sie die Aktivität von neuronalen Netzwerken verändern, die mit Stress und emotionaler Anspannung verbunden sind.

Eine Person kann subjektiv beispielsweise Folgendes empfinden:

  • Ruhe,
  • weniger Anspannung,
  • weniger emotionalen Schmerz,
  • eine bessere Stimmung,
  • ein Gefühl der Erleichterung,
  • ein leichteres Funktionieren in alltäglichen Situationen.

Dieser Effekt ist jedoch nicht bei allen Menschen gleich. Bei manchen kann Entspannung überwiegen, bei anderen Müdigkeit und bei wiederum anderen Reizbarkeit oder Unruhe.

Warum?

Weil die Gesamtwirkung vom Gleichgewicht mehrerer Systeme abhängt:

  • dem Opioidsystem,
  • dem Dopaminsystem,
  • dem Noradrenalinsystem,
  • dem Serotoninsystem,
  • GABA und Glutamat,
  • dem aktuellen Grad der Müdigkeit,
  • der Dosis,
  • der Toleranz,
  • dem psychischen Zustand.

Noradrenalin ist ein Neurotransmitter, der mit Wachheit, Aufmerksamkeit und der Stressreaktion zusammenhängt. Ist seine Aktivität in bestimmten Netzwerken erhöht, kann eine Person aktiver, aber auch angespannter sein. Verändert sich seine Aktivität, können sich auch Ruhe oder Reizbarkeit verändern.

GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter im Gehirn. Es hilft dabei, eine übermäßige Aktivität von Neuronen zu begrenzen. Glutamat ist dagegen der wichtigste erregende beziehungsweise aktivierende Neurotransmitter. Das Gehirn benötigt ein Gleichgewicht zwischen „Bremse“ und „Gaspedal“.

Bei einigen Menschen kann sich Kratom subjektiv wie eine Verringerung des „inneren Lärms“ anfühlen. Wenn eine Person körperliche Schmerzen hat, unter Stress steht oder emotional überlastet ist, kann die Erleichterung dieser Signale subjektiv als bessere Stimmung und größere Ruhe wahrgenommen werden.

Das Risiko besteht darin, dass sich das Gehirn an dieses von außen erzeugte Gefühl der Erleichterung anpassen kann. Wenn eine Person regelmäßig eine Substanz zur Regulierung von Stress verwendet, kann sich das Nervensystem daran gewöhnen, dass ein Teil dieser Regulation von außen erfolgt. Nach dem Absetzen können Stress, Reizbarkeit und Angst vorübergehend stärker ausgeprägt sein als zuvor.

 

Warum kann Kratom stimulierend wirken?

Einige Menschen beschreiben nach Kratom eine bessere Konzentration, Motivation oder eine subjektive „Stimulation“ bei der Arbeit.

Diese subjektive Wirkung kann aus einer Kombination mehrerer Effekte entstehen:

Verringerung von Schmerzen

Wenn eine Person Schmerzen hat, wird ein Teil ihrer Aufmerksamkeit ständig vom Schmerz beansprucht. Wird der Schmerz reduziert, kann das Gehirn mehr Kapazität für Arbeit, Lernen oder Gespräche zur Verfügung haben.

Beispiel: Eine Person mit Rückenschmerzen kann sich schlecht auf die Arbeit am Computer konzentrieren. Wenn der Schmerz subjektiv nachlässt, kann sie das Gefühl haben, ihren „Fokus zurückzubekommen“.

Verringerung von Stress

Stress beansprucht kognitive Kapazität. Kognitive Kapazität bezeichnet den mentalen Raum für Denken, Planung und Entscheidungsfindung. Wenn Kratom subjektive Anspannung reduziert, kann eine Person das Gefühl größerer geistiger Klarheit haben.

Subjektive Steigerung der Motivation

Durch eine indirekte Beeinflussung dopaminerger Netzwerke kann sich auch die Motivation verändern. Dopamin bedeutet nicht einfach Freude, sondern ist eher ein Signal für Bedeutung und die Bereitschaft, etwas zu tun. Verändert sich die Dopaminsignalübertragung, kann eine Person das Gefühl haben, mehr Lust oder Motivation für bestimmte Tätigkeiten zu besitzen.

Leichte Aktivierung bei niedrigeren Dosen

Bei manchen Menschen können niedrigere Mengen von Kratom subjektiv stärker aktivierend wirken. Dies kann mit einer Kombination aus opioiden, adrenergen und weiteren Wirkungen zusammenhängen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Kratom ein sicherer Stimulator ist. Bei höheren Mengen kann sich die Wirkung stärker in Richtung Dämpfung verschieben.

Verringerung emotionalen Widerstands

Manchmal schiebt eine Person eine Aufgabe nicht deshalb auf, weil ihr Energie fehlt, sondern weil sie Stress, Widerstand oder unangenehme Anspannung verspürt. Wenn eine Substanz diesen emotionalen Widerstand verringert, kann es den Eindruck erwecken, dass sie die Konzentration verbessert.

 

Wie entsteht Toleranz?

Toleranz bedeutet, dass dieselbe Menge einer Substanz nach einiger Zeit eine schwächere Wirkung hat als zuvor. Eine Person kann dann dazu neigen, die Menge zu erhöhen, um denselben Effekt zu erreichen.

Toleranz entsteht, weil das Gehirn versucht, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Dieses Gleichgewicht wird als Homöostase bezeichnet.

Homöostase bezeichnet die Fähigkeit des Organismus, eine innere Stabilität aufrechtzuerhalten. Der Körper reguliert kontinuierlich Temperatur, Blutzuckerspiegel, Blutdruck, den Säuregrad des Blutes und die Aktivität des Nervensystems. Wenn wiederholt eine Substanz in dieses System eingreift und die Rezeptoraktivität in eine bestimmte Richtung verschiebt, versucht sich das Gehirn daran anzupassen.

Man kann sich das Gehirn wie einen Raum mit Thermostat vorstellen. Wenn man dem Raum regelmäßig eine externe Heizung hinzufügt, kann sich der Thermostat so anpassen, dass die interne Heizung weniger arbeitet. Wird die externe Heizung anschließend ausgeschaltet, wird der Raum plötzlich kalt. Ähnlich passt sich das Gehirn an eine wiederholte Aktivierung von Rezeptoren an.

Bei Kratom kann Toleranz vor allem durch die wiederholte Beeinflussung von Opioidrezeptoren und damit verbundenen neuronalen Netzwerken entstehen.

Desensibilisierung von Rezeptoren

Desensibilisierung von Rezeptoren bedeutet, dass die Empfindlichkeit eines Rezeptors abnimmt. Der Rezeptor ist weiterhin vorhanden, reagiert auf denselben Reiz jedoch weniger stark.

Vergleich: Wenn jemand lange Zeit an einer Klingel läutet, gewöhnen Sie sich irgendwann an das Geräusch und reagieren weniger darauf. Die Klingel funktioniert weiterhin, Ihr System nimmt sie jedoch nicht mehr so stark wahr.

Bei Rezeptoren bedeutet dies, dass eine wiederholte Aktivierung dazu führen kann, dass die Zelle schwächer auf dieselbe Substanz reagiert.

Downregulation von Rezeptoren

Downregulation von Rezeptoren bedeutet, dass eine Zelle die Anzahl verfügbarer Rezeptoren reduziert oder sie von der Zelloberfläche in das Zellinnere verlagert.

Vergleich: Wenn ein Unternehmen zu viele Telefonanrufe erhält, kann es die Zahl aktiver Telefonleitungen reduzieren, um nicht überlastet zu werden. Bei einem Neuron kann etwas Ähnliches geschehen: Wird ein Rezeptor zu häufig aktiviert, kann die Zelle seine Verfügbarkeit reduzieren.

Das Ergebnis: Dieselbe Menge der Substanz aktiviert weniger Rezeptoren oder ruft eine schwächere Reaktion hervor.

Veränderung der Empfindlichkeit neuronaler Netzwerke

Toleranz betrifft nicht nur einen einzelnen Rezeptor. Das Gehirn ist ein Netzwerk. Wenn die Aktivität eines Bereichs wiederholt verändert wird, passen sich auch andere Teile des Netzwerks an.

Zum Beispiel:

  • Schmerznetzwerke können empfindlicher werden,
  • Stresssysteme können aktiver werden,
  • Dopamin-Netzwerke können schwächer reagieren,
  • Schlafnetzwerke können sich neu einstellen,
  • die emotionale Regulation kann stärker von der Anwesenheit der Substanz abhängig werden.

Deshalb entwickelt sich Toleranz nicht bei allen Wirkungen gleich schnell.

Warum betrifft Toleranz nicht alle Wirkungen gleichermaßen?

Eine Person kann feststellen, dass die schmerzlindernde Wirkung schnell abnimmt, während die sedierende Wirkung bestehen bleibt. Eine andere Person kann Euphorie oder Motivation verlieren, aber weiterhin Übelkeit verspüren. Dies liegt daran, dass unterschiedliche Wirkungen durch verschiedene neuronale Netzwerke und Rezeptoren vermittelt werden.

Die Wirkungen von Kratom sind nicht nur ein einzelner Effekt. Dazu gehören:

  • Schmerzlinderung,
  • Veränderung der Stimmung,
  • Stressreduktion,
  • Dämpfung,
  • Übelkeit,
  • Verstopfung,
  • Veränderungen des Schlafs,
  • Veränderungen der Motivation.

Für jeden dieser Effekte kann sich Toleranz unterschiedlich schnell entwickeln.

Warum benötigt eine Person eine höhere Dosis?

Wenn das Rezeptorsystem weniger empfindlich wird, erzeugt die ursprüngliche Menge nicht mehr dieselbe Reaktion. Eine Person kann dann die Menge erhöhen, um die Rezeptoraktivität wieder auf das frühere Niveau zu bringen.

Dadurch kann ein Kreislauf entstehen:

  1. Die Substanz aktiviert das Rezeptorsystem.
  2. Das Gehirn passt sich an.
  3. Dieselbe Dosis wirkt schwächer.
  4. Die Person erhöht die Dosis.
  5. Das Gehirn passt sich erneut an.
  6. Das Risiko für Abhängigkeit und Entzugssymptome steigt.

Toleranz zeigt somit, dass das Gehirn kein passives System ist. Es versucht aktiv, langfristige Abweichungen vom Gleichgewicht auszugleichen.

 


Die Infografik erklärt, wie eine langfristige wiederholte Wirkung von Mitragynin die Empfindlichkeit von Opioidrezeptoren reduzieren kann, sodass dieselbe Dosis eine schwächere Wirkung hervorruft.

 

Warum entstehen Entzugssymptome?

Entzugssymptome entstehen, wenn sich das Nervensystem an die regelmäßige Anwesenheit einer Substanz gewöhnt hat und diese Substanz plötzlich fehlt.

Bei regelmäßiger Verwendung von Kratom kann sich das Gehirn daran anpassen, dass das Opioidsystem und damit verbundene Systeme wiederholt von außen aktiviert werden. Wird Kratom anschließend plötzlich abgesetzt, kehren Rezeptorsysteme, Neurotransmitter und Stressnetzwerke nicht sofort zu ihrer ursprünglichen Einstellung zurück.

Mit anderen Worten: Das Gehirn war eine Zeit lang auf den Zustand „die Substanz ist vorhanden“ eingestellt. Wenn die Substanz plötzlich verschwindet, entsteht vorübergehend ein Ungleichgewicht.

Was geschieht im Gehirn beim Absetzen?

Bei langfristiger Anwendung kann sich das Gehirn beispielsweise folgendermaßen anpassen:

  • Rezeptoren werden weniger empfindlich,
  • bestimmte Signalwege werden gedämpft,
  • andere kompensatorische Systeme werden verstärkt,
  • die Stressachse wird neu eingestellt,
  • Schlafmechanismen werden gestört,
  • die Dopaminsignalübertragung wird weniger stabil.

Die Stressachse ist ein System, das Gehirn, hormonelle Regulation und Nebennieren miteinander verbindet. Sie wird häufig als HPA-Achse bezeichnet. Die HPA-Achse umfasst Hypothalamus, Hypophyse und Nebennieren. Sie steuert die Reaktion des Körpers auf Stress, einschließlich der Freisetzung von Stresshormonen.

Wenn eine Substanz, die dabei geholfen hat, Schmerz, Stress oder Anspannung zu reduzieren, plötzlich fehlt, können diese Systeme vorübergehend in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen.

Warum entstehen Reizbarkeit und Angst?

Das Opioidsystem ist am Gefühl von Erleichterung und Sicherheit beteiligt. Wenn es über längere Zeit von außen aktiviert wurde, kann es für das Gehirn nach dem Absetzen vorübergehend schwieriger sein, aus eigener Kraft ein Gefühl der Ruhe zu erzeugen.

Mögliche Folgen sind:

  • Reizbarkeit,
  • innere Unruhe,
  • Angst,
  • erhöhte Weinerlichkeit,
  • emotionale Überempfindlichkeit.

Warum entsteht Schlaflosigkeit?

Schlaf wird durch das Gleichgewicht mehrerer Systeme reguliert: GABA, Glutamat, Orexin, Serotonin, Noradrenalin, Melatonin und weitere. Wenn das Nervensystem über längere Zeit durch eine Substanz beeinflusst wurde, kann das Absetzen zu einem Zustand erhöhter Aktivierung führen.

Eine Person kann erschöpft sein, während das Gehirn gleichzeitig nicht „abschalten“ kann. Dies ist ein typisches Paradox eines Entzugszustands: Der Körper ist müde, das Nervensystem jedoch überaktiviert.

Warum entstehen Schmerzen?

Wenn Kratom Schmerzsignale gedämpft hat, kann das Absetzen dazu führen, dass Schmerzen stärker wahrgenommen werden. Auch Muskel-, Gelenk- oder Kopfschmerzen können auftreten.

Mögliche Gründe sind:

  • die Rückkehr der ursprünglichen Schmerzen,
  • eine erhöhte Empfindlichkeit des Nervensystems,
  • eine geringere Aktivität des natürlichen Opioidsystems,
  • Stress und schlechter Schlaf, die Schmerzen verstärken können.

Warum entstehen Schüttelfrost, Schwitzen und Störungen der Temperaturregulation?

Das autonome Nervensystem steuert automatische Körperfunktionen wie Schwitzen, Herzschlag, Verdauung oder Temperaturregulation. Autonom bedeutet, dass diese Funktionen normalerweise nicht bewusst gesteuert werden.

Während eines Entzugs kann das autonome Nervensystem aus dem Gleichgewicht geraten. Mögliche Symptome sind:

  • Schüttelfrost,
  • Schwitzen,
  • Hitzewallungen,
  • Zittern,
  • beschleunigter Herzschlag,
  • ein Gefühl innerer Anspannung.

Warum entstehen Durchfall oder Verdauungsprobleme?

Opioidrezeptoren befinden sich nicht nur im Gehirn. Sie kommen auch im Darm vor. Die Aktivierung von Opioidrezeptoren im Darm kann die Verdauung verlangsamen und zu Verstopfung führen.

Wenn die Substanz nach regelmäßiger Anwendung plötzlich fehlt, kann der Darm mit dem gegenteiligen Effekt reagieren — einer erhöhten Aktivität. Deshalb können beim Absetzen opioid wirkender Substanzen Durchfall, Krämpfe oder Übelkeit auftreten.

Warum entstehen Müdigkeit und Motivationsverlust?

Das Dopaminsystem ist an Motivation und an der Fähigkeit beteiligt, eine Tätigkeit als lohnenswert wahrzunehmen. Wurde dieses System wiederholt über das Opioidsystem beeinflusst, kann es nach dem Absetzen vorübergehend weniger stabil funktionieren.

Eine Person kann dann Folgendes empfinden:

  • Müdigkeit,
  • Leere,
  • geringe Motivation,
  • verminderte Fähigkeit, Freude zu empfinden,
  • Schwierigkeiten, Aufgaben zu beginnen.

Dieser Zustand bedeutet nicht, dass das Gehirn „zerstört“ ist. Er bedeutet, dass es sich erneut anpasst. Die Stabilisierung kann jedoch einige Zeit dauern. Bei Menschen mit langfristigem oder hohem Konsum kann es sinnvoll sein, das Absetzen gemeinsam mit einem Arzt oder Suchtspezialisten zu planen.

 

Sicherheitshinweis

Kratom kann reale Wirkungen auf das Nervensystem haben und daher auch reale Risiken mit sich bringen. Die Tatsache, dass es sich um ein pflanzliches Produkt handelt, bedeutet nicht automatisch, dass es sicher ist.

Wichtige Punkte:

  • Regelmäßige Anwendung kann zu einer Toleranz führen, also dazu, dass für denselben Effekt eine höhere Dosis erforderlich ist.
  • Regelmäßige Anwendung kann zu einer Abhängigkeit führen, also zu einem Zustand, in dem Körper und Gehirn mit der Substanz als regelmäßigem Bestandteil ihrer Funktionsweise rechnen.
  • Nach dem Absetzen können Entzugssymptome auftreten, beispielsweise Reizbarkeit, Angst, Schlaflosigkeit, Schmerzen, Schwitzen, Schüttelfrost, Durchfall, Müdigkeit oder Unruhe.
  • Die Kombination von Kratom mit Alkohol, Benzodiazepinen, Opioiden, Sedativa oder anderen dämpfenden Substanzen kann gefährlich sein, da sich die dämpfenden Wirkungen auf das Nervensystem gegenseitig verstärken können. Die daraus resultierende Wirkung kann zu einem Herzstillstand und in der Folge zum Tod führen.
  • Besondere Vorsicht ist bei Extrakten, konzentrierten Produkten und Produkten mit einem hohen Gehalt an 7-Hydroxymitragynin geboten.
  • Bei langfristiger Anwendung, steigenden Dosen, Kontrollverlust oder Schwierigkeiten beim Absetzen ist es sinnvoll, sich an einen Arzt, Psychiater, Suchtspezialisten oder eine professionelle Suchtberatungsstelle zu wenden.

Dieser Text dient Bildungszwecken. Er ersetzt weder eine medizinische Diagnose noch eine Behandlung oder individuelle medizinische Beratung. Wer mit Schmerzen, Angst, Schlaflosigkeit, Abhängigkeit oder Entzugssymptomen zu tun hat, sollte die Situation mit einem qualifizierten Fachmann besprechen.

 

Häufige Fragen zur Wirkung von Kratom auf das Gehirn

Wie wirkt Kratom auf das Gehirn?

Kratom wirkt hauptsächlich über die Alkaloide Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin, die Opioidrezeptoren und weitere Signalsysteme im Nervensystem beeinflussen. Dadurch können sie die Wahrnehmung von Schmerzen, Stimmung, Ruhe, Motivation oder Konzentration verändern.

Wirkt Kratom auf Opioidrezeptoren?

Ja. Einige in Kratom enthaltene Substanzen binden an Opioidrezeptoren, insbesondere an den μ-Opioidrezeptor. Das bedeutet jedoch nicht, dass Kratom genauso wirkt wie klassische Opioide.

Warum kann Kratom die Konzentration beeinflussen?

Das subjektive Gefühl einer verbesserten Konzentration kann mit Veränderungen der Wahrnehmung von Stress, Schmerzen und Müdigkeit sowie mit indirekten Einflüssen auf Neurotransmittersysteme wie das Dopamin- und das adrenerge System zusammenhängen.

Warum entsteht eine Toleranz gegenüber Kratom?

Bei wiederholter Anwendung passt sich das Nervensystem an die regelmäßige Aktivierung bestimmter Rezeptoren an. Rezeptoren und Signalwege können weniger empfindlich werden, sodass dieselbe Dosis im Laufe der Zeit eine schwächere Wirkung hervorruft.

Kann Kratom Entzugssymptome verursachen?

Bei regelmäßiger Anwendung ja. Wenn sich das Nervensystem an die regelmäßige Anwesenheit einer Substanz gewöhnt, kann ein plötzliches Absetzen zu einem vorübergehenden Ungleichgewicht führen, das sich beispielsweise durch Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Schmerzen, Müdigkeit oder weitere Symptome äußern kann.