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Wie wirkt Kratom? Erklärt von einem Händler mit langjähriger Erfahrung

Kratom wirkt vor allem über die beiden Alkaloide Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin. Sie aktivieren dieselben Rezeptoren im Gehirn wie Opioide, auch wenn sich ihre Wirkungen nur teilweise überschneiden. Nach Angaben der Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) wirken kleinere Mengen eher anregend und größere eher dämpfend. Warum das so ist, lässt sich wissenschaftlich bislang jedoch nicht eindeutig erklären. Als Händler begegnen wir bei Kundinnen und Kunden häufig Vorstellungen, die nicht mit dem gesicherten Wissensstand übereinstimmen. Deshalb erläutern wir, was belegt ist, wo die Forschung an ihre Grenzen stößt und welche Annahmen über Kratom nicht zutreffen.

Getrocknete Kratomblätter und grünes Pulver

Foto:Laryssa Suaid / Pexels

Wirkung von Kratom

Für die Wirkung von Kratom sind vor allem Mitragynin, das mengenmäßig wichtigste Alkaloid der Blätter, und 7-Hydroxymitragynin (7-OH) verantwortlich. Ein Teil des Mitragynins wird erst in der Leber in 7-OH umgewandelt. Kratom wird aus den Blättern des Baumes Mitragyna speciosa gewonnen, der in den Tropen Südostasiens wächst und mit dem Kaffeestrauch verwandt ist. Forschende haben in den Blättern mehr als 40 Alkaloide nachgewiesen. Bei thailändischen Varietäten kann Mitragynin bis zu 66 Prozent der Alkaloide ausmachen, 7-OH dagegen höchstens 2 Prozent. Beide Stoffe aktivieren μ-Opioidrezeptoren, an die auch Morphin bindet. Nach Angaben des US-amerikanischen National Institute on Drug Abuse (NIDA) überschneiden sich die daraus entstehenden Wirkungen jedoch nur teilweise mit denen klassischer Opioide. 7-OH wirkt dabei deutlich stärker; in Versuchen an Mäusen war seine Wirkung um ein Mehrfaches stärker als die von Morphin.

Kundinnen und Kunden fragen uns oft, warum kleine und große Mengen unterschiedlich wirken. Die ehrliche Antwort lautet: Bislang gibt es dafür keine verlässliche Erklärung. Die EUDA bezeichnet den Mechanismus hinter der anregenden Wirkung als ungeklärt. Das NIDA ergänzt, dass Mitragynin auch an adrenerge, Serotonin- und Dopaminrezeptoren bindet, was die anregende Wirkung erklären könnte. Die Unterscheidung zwischen kleineren und größeren Mengen beruht vor allem auf Erfahrungsberichten von Konsumierenden und älteren Beobachtungen. Kontrollierte Studien haben sie laut NIDA – Stand März 2026 – noch nicht bestätigt. Deshalb geben wir unseren Kundinnen und Kunden keine konkreten Dosierungsempfehlungen.

Kleinere Menge Größere Menge
Überwiegender Charakter anregend dämpfend, entspannend
Beschriebene Wirkungen mehr Energie, Wachheit, Gesprächigkeit Ruhe, Schläfrigkeit, Verwirrtheit, verengte Pupillen
Grundlage der Erkenntnisse hauptsächlich Erfahrungsberichte von Konsumierenden Erfahrungsberichte und medizinische Fallberichte

Einen Überblick über die Kratomprodukte in unserem Sortiment finden Sie in der Kategorie„Kratom-Sortiment“.

Nebenwirkungen von Kratom

Zu den am häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen von Kratom gehören Übelkeit, Verstopfung, Schwindel und Schläfrigkeit. In seltenen Fällen treten jedoch auch schwere Komplikationen auf, darunter Leberschäden und Krampfanfälle. Die US-amerikanische Drug Enforcement Administration (DEA) nennt außerdem Schwitzen, Mundtrockenheit, Juckreiz, beschleunigten Herzschlag, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Bei größeren Mengen treten der EUDA zufolge zunächst Schwitzen, Schwindel und Übelkeit auf, bevor die dämpfende Wirkung einsetzt.

In medizinischen Fallberichten wurden Leberprobleme, Krampfanfälle, Zittern, verlangsamte Atmung, Bluthochdruck und Verwirrtheit beschrieben. Bei einem Teil der Betroffenen bildeten sich die Leberschäden nach dem Absetzen von Kratom zurück. Das Risiko steigt bei der Kombination mit anderen Substanzen deutlich an. Kratomalkaloide hemmen die Leberenzyme CYP3A4 und CYP2D6, die am Abbau zahlreicher Arzneimittel beteiligt sind. Außerdem waren bei nahezu allen Todesfällen, die mit Kratom in Verbindung gebracht wurden, weitere Drogen oder Beimischungen beteiligt. Suchen Sie bei Atemproblemen, Krampfanfällen oder Verwirrtheit sofort medizinische Hilfe.

Regelmäßiger Konsum kann zu einer Abhängigkeit führen. Nach dem Absetzen können leichte bis mäßig starke Entzugssymptome auftreten, etwa starkes Verlangen, Unruhe, Muskelschmerzen, eine laufende Nase und Schlafprobleme. Sehr häufig werden wir gefragt, ob sich Kratom mit Medikamenten kombinieren lässt. Unsere Antwort ist immer dieselbe: Das muss eine Ärztin, ein Arzt oder eine Apothekerin beziehungsweise ein Apotheker beurteilen – nicht ein Händler.

Ist Kratom eine Droge?

Kratom ist eine psychoaktive Substanz, die abhängig machen kann. Diese Frage hören wir im Verkauf besonders häufig – sowohl von Kundinnen und Kunden als auch von deren Angehörigen. Weder Kratom noch seine Alkaloide sind in den internationalen Drogenübereinkommen der Vereinten Nationen aufgeführt. Der WHO-Sachverständigenausschuss für Drogenabhängigkeit sah 2021 keine ausreichenden Belege für eine internationale Kontrolle, beobachtet die Substanz aber weiterhin. Einige europäische Staaten haben Kratom dennoch verboten.

Die Uneinigkeit über die Einordnung entsteht, weil beide Seiten nachvollziehbare Argumente haben. Kratom wirkt auf Opioidrezeptoren, kann abhängig machen und besitzt keine zugelassene medizinische Anwendung. Forschende des NIDA weisen andererseits darauf hin, dass die besondere Art, wie Kratomalkaloide diese Rezeptoren aktivieren, das Abhängigkeitspotenzial gegenüber klassischen Opioiden verringern könnte. Eine tödliche Überdosierung allein durch Kratom bezeichnen sie als äußerst selten.

Eine weitere Rolle spielen konzentrierte Produkte. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) unterschied im Juli 2025 ausdrücklich zwischen dem natürlichen Blatt und Produkten mit konzentriertem 7-OH. Letztere bezeichnete sie als Opioidprodukte, deren Wirkung die von Morphin übertreffen kann. Da sich die Rechtslage ändern kann, sollten Sie sich im Zweifel juristisch beraten lassen.

Wirkung von Kratom: Was viele Menschen missverstehen

Mit den folgenden Irrtümern begegnen wir im Verkauf besonders häufig. Der erste lautet, ein Naturprodukt sei automatisch harmlos und die Wirkung jeder Packung lasse sich zuverlässig vorhersagen. Kratom wirkt jedoch auf Opioidrezeptoren und kann abhängig machen. In einigen Produkten wurden zudem Schwermetalle oder Bakterien nachgewiesen. Als „verstärktes“ Kratom verkaufte Produkte enthielten sogar das synthetische Opioid O-Desmethyltramadol.

Der zweite Irrtum ist die Annahme, Kratom sei überall gleich. Kundinnen und Kunden fragen uns, warum ein gleich bezeichnetes Produkt eines anderen Anbieters anders gewirkt hat. Die Erklärung ist einfach: Die Zusammensetzung der Alkaloide hängt von der Varietät, dem Alter der Pflanze, den Umweltbedingungen und dem Erntezeitpunkt ab. Das NIDA weist deshalb darauf hin, dass sich die Wirkung einzelner Produkte nur schwer vorhersagen lässt. Ebenso irreführend ist die Vorstellung, eine kleine Menge wirke zuverlässig anregend. Dabei handelt es sich um Erfahrungsberichte von Konsumierenden, nicht um eine wissenschaftlich bestätigte Regel. Auf seiner Informationsseite beschreibt Uncles Kratom die Farblinien Green, White und Red vor allem über Blattauswahl und Trocknung. Zugleich weist der Shop darauf hin, dass die Produkte laborgeprüft sind; eine bestimmte Wirkung lässt sich aus der Farbe allein nicht zuverlässig ableiten.

Der dritte Irrtum besteht darin, natürliche Blätter mit Extrakten gleichzusetzen. Wir begegnen Kundinnen und Kunden, die konzentrierte Extrakte lediglich für „stärkeres Kratom“ halten. Produkte mit konzentriertem 7-OH werden laut FDA tatsächlich mitunter als Kratom verkauft. Im Gegensatz zum natürlichen Blatt stuft die Behörde sie jedoch als gefährliche Opioidprodukte ein. Uncles Kratom gibt an, alle Produkte im Labor prüfen zu lassen. Nach Angaben des Shops werden die Produkte auf Schimmel untersucht und gammabestrahlt; der indonesische Lieferant, mit dem das Unternehmen seit 2021 zusammenarbeitet, verfügt über eine GMP-Zertifizierung. Chargenspezifische Messwerte sollten zusätzlich anhand des jeweiligen Analysezertifikats geprüft werden.

Häufig gestellte Fragen

Diese Fragen werden uns von Kundinnen und Kunden besonders häufig gestellt.

Ist Kratom ein Opioid?
Kratom stammt von einem mit dem Kaffeestrauch verwandten Baum. Seine wichtigsten Alkaloide aktivieren jedoch Opioidrezeptoren, und konzentriertes 7-OH bezeichnet die FDA ausdrücklich als Opioid.

Kann Kratom abhängig machen?
Ja. Bei regelmäßigem Konsum kann sich eine Abhängigkeit entwickeln; nach dem Absetzen können Entzugssymptome auftreten.

Kann ich Kratom mit Medikamenten oder anderen Substanzen kombinieren?
Kombinationen zählen zu den riskantesten Situationen, weil Kratomalkaloide den Abbau von Arzneimitteln in der Leber beeinflussen und schwere Fälle meist mehrere Substanzen betrafen. Wenn Sie Medikamente einnehmen, sprechen Sie mit einer Ärztin, einem Arzt oder in der Apotheke.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Kratom besitzt keine zugelassene medizinische Anwendung.